Lesbisch ?

Bin zwar kein Kind mehr, aber ich brauche einen objektiven Rat!
Mein Cousin(T.19)und ich sind wie Geschwister, aber seitdem er von meiner sexuellen Neigung weiß, hat sich unser Verhältnis geändert. Ich bin so wütend auf ihn, weil er immer nur andeutungsweise seinem Unmut Luft verschafft. Er redet davon, dass er, wenn er schwul wäre dem nie nachgeben würde und dies eine Schande für die Familie wäre wenn er DAS tun würde (er sagt nicht, das ich eine Schande für die Familie bin, aber wie zum Donner soll ich diesen Satz sonst auffassen? auch wenn er meist spricht ohne allzuviel nachzudenken)
Mir wird sowas immer nur zu einem späteren Zeitpunkt klar, sodass ich zu meinem Ärger keinen Gegenargument präsentieren kann. Aber da unsere Beziehung etwas konfus ist (bin nicht seine richtige Schwester), weiß ich nicht damit umzugehen. Um alle meine anderen Sorgen aufzulisten würde es zu lange dauern, auch wenn Ihnen ein annäherndes Gesamtbild von mir besser helfen würde, denke ich das dies mein Hauptgrund für meine emotionalen Instabilität ist.

Hallo erst mal,wieso hat das denn mit einem Mann etwas zu tun?Ich denke nicht das Du dadurch etwas verpasst hast.Wenn Du glaubst das Du auf Frauen stehst,dann lebe es einfach aus,und lasse die anderen reden.Spare Dir die Erfahrung mit Männern,Du hast wilrklich nichts bedeutendes verpasst.Ich bin auch lesbisch,und Männer können das gar nicht so sehen wie wir Frauen.Gruß,Tanja.

Claudia, fang nicht an, wegen deiner "Neigung" an dir herumdoktern zu lassen. Kläre die Situation mit deinem Cousin und leb DEIN Leben! Du bist nicht die Einzige! Hab Spass! Die Meinung ein paar vereinzelter konservativer Menschen darf dir nicht so wichtig sein!

Kopf hoch und los gehts!

Liebe Claudia, ich kann verstehen, dass die beschriebene Situation für Sie zu Verunsicherung führt, da Ihre Neigung auf die Abwehr der Umwelt stößt, aus Angst, eigene innere Impulse zu wecken. Wer sich outet, ist in Gefahr, von den anderen gemieden zu werden, weshalb hierfür ein hohes Maß an Selbstsicherheit vonnöten ist. Voraussetzung ist, sich über seine Neigung entsprechend selbst sicher zu sein. Auf Grund Ihres Alters kann man durchaus davon ausgehen, dass Sie sich noch in einer Phase sexueller Identitätsfindung - einer homosexuellen Durchgangsphase - befinden, die, wenn sich der "richtige" Mann findet, durch heterosexuelle Beziehungen abgelöst werden kann. Um sich selbst Klarheit zu verschaffen, ist es oft hilfreich, sich professionelle (psychotherapeutische) Hilfe zu suchen, um herauszufinden, aus welchen Gründen Sie diese Neigung entwickelten: Als Ersatz für heterosexuelle, bisher nicht mögliche Aktivitäten oder echte Neigungshomosexualität auf Grund von genetischen oder umweltabhängigen Entwicklungen. Können Sie sich hierdurch besser verstehen und akzeptieren, werden Sie entsprechend anders und sicherer auf Ihre Umwelt zugehen können. Wahrscheinlich werden Sie dann auch feststellen, dass die Menschen, denen Sie wichtig sind und die sich deshalb wünschen, dass Sie glücklich sind, zu Ihnen stehen werden, auch wenn Ihre sexuelle Neigung nicht dem des Durchschnitts entspricht.
Auf diesem Wege können Sie sich dann auch psychisch und emotional stabilisieren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Mut und Erfolg auf dem Weg, sich selbst zu entdecken. A.S.

Sehr geehrte Frau Schwarz,

Ich bin 23, zwar kein Kind mehr, aber ich hoffe Sie helfen mir trotzdem. Ich bin erst vor einem
Jahr mit oder vielmehr wegen meinem Freund nach Berlin gezogen. Anfangs viel mir die Eingewöhnung
sehr schwer, vielleicht weil auch alles so schnell ging. Mittlerweile gefällt es mir ganz gut, aber leider
habe ich grosse Probleme in der Beziehung zu meinem  Freund. Was ich vorweg sagen möchte ist, daß ich Ihn liebe, und dass Er mich auch liebt. Also eigentlich  alles toll und keine Probleme. - Leider ist das nicht so - Denn wir haben seit fast einem Jahr nahezu garnicht mehr miteinander geschlafen. Als wir frisch
eingezogen waren haben wir vielleicht 2 - 3 mal miteinander geschlafen, doch irgendwann wollte ich mal nicht, das nächste mal auch nicht usw. Für Ihn kam die Frage nicht auf, nicht zu wollen, ( also an Ihm lag es nicht) aber ich entfremdete mich in diesem Bereich immer mehr. Alles andere war aber ok, sich in den arm nehmen, sagen das man sich liebt.... Aber ich wollte und will keinen Sex mehr. Ohne das
etwas passiert ist, fühle ich mich bei diesem Gedanken nicht mehr wohl. Ich brauch nur irgendwas in den Medien sehen, und schon wiedert es mich an. Ich finde nicht mehr zu mir selber. Ich weiss nicht woran das liegt, schließlich will ich wieder eine "normale" Beziehung führen. Ich nehme es mir immer wieder vor, doch es geht nicht. Der Punkt ist erreicht wo unsere Beziehung leidet, wo mein Freund auch leidet, weil Er nicht weiss warum. Ich kann Ihm keinen Grund sagen, weil ich Ihn selber nicht weiß. Wenn sich nicht bald was ändert  zerbricht die Beziehung vielleicht doch noch, obwohl Er so zu mir steht. Ich kann aber auch nicht mehr, ich bin 23 und will jetzt schon keine Liebe mehr. Ich habe auch kein Verlangen. Ich versteh das nicht, was bedeutet das denn bloß und wie kann man das Problem ändern ? Es setzt mich jeden Tag neu unter Druck, und ich kann rein garnichts dagegen tun. Wenn ich meinen Freund nicht lieben würde, könnte ich das ja verstehen, aber das tu ich doch von ganzem Herzen.

Bitte helfen Sie mir schnellstmöglich !
Vielen Dank und hoffentlich bis bald

christina

Liebe Christina,
ich denke, dass Sie da wirklich ein großes Problem haben, kann Ihnen aber leider so aus der Ferne wenig raten, außer dass Sie sich schnellstens eine Therapeutin suchen sollten, mit deren Hilfe Sie die tiefere, sicher unbewusste Ursache ergründen und bearbeiten können. Ich empfehle Ihnen, falls Sie keine Therapeutin in Ihrer Nähe kennen, sich entweder an die Ambulanz des Instituts für Psychotherapie  oder an die KV Berlin  zu wenden, die Ihnen Therapeutenadressen in Ihrem Wohnbereich nennen kann. Ich wünsche Ihnen viel Glück! Antje Schwarz

Liebe Christina,

als Patient rate ich Ihnen eher von der Koserstr. ab. Die vermitteln AUSSCHLIESSLICH analytische Therapie. Als ich Probleme mit dem Therapeuten hatte und um eine Alternative bat (ich fragte - wahrscheinlich war das ein Fehler - auch nach Verhaltenstherapie) meldeten sie sich nie wieder.

Gruß

stefan

Da in der Koserstraße ein psychoanalytisches Institut ist, vermitteln diese in der Tat nur analytische oder tiefenpsychologisch fundierte Therapien. Wünscht man eine Verhaltenstherapie müsste man sich an entsprechende Instiute wenden oder eben an die Kassenärztliche Vereinigung. Zuvor sollte man sich entscheiden, welche Therapie der eigenen Persönlichkeit, aber auch dem Symptom entspricht. Analytische Therapien dienen eher einem tiefgründigen therapeutischen Prozess, wobei es um die dem Symptom zugrundeliegenden innerpsychischen Konflikte geht, die bearbeitet werden, wodurch nicht nur das Symptom verschwinden soll, sondern auch Voraussetzungen für eine weitere gesunde Entwicklung geschaffen, Entwicklungspotenzen entdeckt werden sollen. Bei der Verhaltenstherapie steht die Behandlung des Symptoms im Vordergrund, dies mit lernpsychologischen Methoden - ungünstiges Verhalten soll verlernt, neues antrainiert werden. In Christinas Fall ist zu vermuten, dass hier ein tiefergehendes Problem zu grunde liegt, bei dem eine Verhaltenstherapie möglicherweise nicht zu einem ausreichenden Erfolg führt.
A.S.

Bemerkung:  Das Institut ist umgezogen !